China Due Diligence in der Krise
China Due Diligence in der Krise
Im vergangenen Jahr wurde das regulatorische und rechtliche Umfeld in China zunehmend restriktiver, mit einer Reihe neuer und verschärfter Gesetze zu Spionage, Cyberkriminalität, Datenschutz und Datentransfer, die in den Medien große Aufmerksamkeit erregten. Der Zugang zu chinesischen Datenquellen gestaltet sich seitdem schwierig.
Diese Entwicklung beeinträchtigt auch den Zugang zu jenen Informationen, die für die Durchführung einer Due Diligence in China erforderlich sind. Gleichzeitig zwingen neue Gesetze und regulatorische Anforderungen in verschiedenen Ländern Unternehmen aber dazu, ihre Due Diligence Maßnahmen - insbesondere in Verbindung zu China – zu verbessern.
Der aktuelle Abschwung in China, die sich verschlechternden Beziehungen zum Westen und die Abkopplung von Unternehmen mit Produktionsstätten in China tragen nicht gerade zu einem optimistischen Geschäftsklima bei.
Diese düsteren Wirtschaftsaussichten werden durch Chinas Bemühungen, Zwangsarbeit, Menschenrechtsverletzungen, Waffenverkäufe und fragwürdige Investitionen zu verschleiern, noch verschärft. Das Geschäftsumfeld in China wird zunehmend undurchsichtig und feindselig gegenüber ausländischen Unternehmen, was erhebliche praktische Auswirkungen auf die Due Diligence hat.
Im September 2022 hat China damit begonnen, viele Quellen für Due Diligence zu sperren, so dass diese Quellen nur über eine chinesische IP-Adresse zugänglich sind. Einige dieser Quellen erfordern nun auch die Einrichtung eines Kontos, wobei eine persönliche Validierung nur mit einer verifizierten chinesischen Telefonnummer möglich ist. Die Zahl der von diesen Änderungen betroffenen Quellen scheint ständig zu steigen.
Die chinesischen Behörden sind auch gegen im Inland tätige Due-Diligence-Firmen vorgegangen. Internationale Quellen berichten, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Due-Diligence-Firmen festgenommen, verhört und mit einem Ausreiseverbot belegt wurden. Des Weiteren wird beschrieben, wie die chinesischen Behörden kürzlich das Büro einer lokalen Due-Diligence-Firma geschlossen haben und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter derzeit inhaftiert sind.
Denken Sie daran, dass Ihr chinesischer Lieferant oder Geschäftspartner für die Zusammenarbeit mit Ihnen bestraft werden kann. Sie müssen die Gültigkeit und Zuverlässigkeit der von Ihrem Lieferanten gelieferten Daten in Frage stellen und den Antworten in Ihren Compliance-Fragebögen skeptisch gegenüberstehen. China verfügt über restriktive Gesetze, die der Wirkung der US-Politik und -Gesetze entgegenwirken, die Sie zur Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen verpflichten, und als solche können gesetzliche Beschränkungen, einschließlich chinesischer Anti-Auslandssanktionsgesetze, dazu führen, dass es für Ihren Lieferanten strafbar ist, bei Ihren Due-Diligence-Prüfungen vollständig zu kooperieren.
Diese sich ständig verändernde Due-Diligence-Landschaft erschwert auch traditionelle Due-Diligence-Prüfungen, wie z. B. Geldwäsche, Sorgfaltspflichten, Untersuchungen zur Bekämpfung von Produktfälschungen, das Aufspüren von Vermögenswerten und Due-Diligence-Prüfungen bei Fusionen und Übernahmen. Ihre Due Diligence wird unter Umständen als Spionage ausgelegt.
Analystinnen und Analysten, die chinesische Unternehmensinformationen erhalten möchten, wenden sich in der Regel an verlässliche Primärquellen wie z. B. das National Enterprise Credit Information Publicity System (NECIPS) oder das chinesische Handelsministerium. Allerdings sind Datenbroker von Drittanbietern oftmals leichter zugänglich und stellen insbesondere für Analystinnen und Analysten, die über kein Virtual Private Network (VPN) verfügen, eine praktikable Lösung dar.
Wer jedoch auf geoblockierte Quellen zugreifen möchte, benötigt zwingend einen VPN-Anbieter, der eine chinesische IP-Adresse anbietet. Neben eines VPN-Dienstes mit chinesischer IP-Adresse ist eine chinesische Telefonnummer unerlässlich, wenn auf chinesische Datenquellen, die validiert werden müssen, zugegriffen werden soll. Abhängig vom Grad der Vertraulichkeit der Daten im Rahmen der Due Diligence sollte man aber auch hier Vorsicht walten lassen, denn mit der Beantragung einer SIM-Karte werden stets auch persönliche Identifikationsdaten abgefragt.
Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel “China Due Diligence in Crisis” von Bruno Mortier, erschienen im CDR Magazine am 9. April 2024. In diesem Artikel werden außerdem zwei wichtige Beispiele aus den USA hervorgehoben, nämlich die Identifizierung von Unternehmen in Chinas militärisch-industriellem Komplex (军民融合) anhand von US-Beobachtungslisten und die Maßnahmen gegen Zwangsarbeit gemäß dem Uyghur Forced Labor Prevention Act (UFLPA).
Den vollständigen Artikel mit vielen weiteren spannenden Insights finden Sie in englischer Sprache hier.
Diese Entwicklung beeinträchtigt auch den Zugang zu jenen Informationen, die für die Durchführung einer Due Diligence in China erforderlich sind. Gleichzeitig zwingen neue Gesetze und regulatorische Anforderungen in verschiedenen Ländern Unternehmen aber dazu, ihre Due Diligence Maßnahmen - insbesondere in Verbindung zu China – zu verbessern.
Der aktuelle Abschwung in China, die sich verschlechternden Beziehungen zum Westen und die Abkopplung von Unternehmen mit Produktionsstätten in China tragen nicht gerade zu einem optimistischen Geschäftsklima bei.
Diese düsteren Wirtschaftsaussichten werden durch Chinas Bemühungen, Zwangsarbeit, Menschenrechtsverletzungen, Waffenverkäufe und fragwürdige Investitionen zu verschleiern, noch verschärft. Das Geschäftsumfeld in China wird zunehmend undurchsichtig und feindselig gegenüber ausländischen Unternehmen, was erhebliche praktische Auswirkungen auf die Due Diligence hat.
Im September 2022 hat China damit begonnen, viele Quellen für Due Diligence zu sperren, so dass diese Quellen nur über eine chinesische IP-Adresse zugänglich sind. Einige dieser Quellen erfordern nun auch die Einrichtung eines Kontos, wobei eine persönliche Validierung nur mit einer verifizierten chinesischen Telefonnummer möglich ist. Die Zahl der von diesen Änderungen betroffenen Quellen scheint ständig zu steigen.
Die chinesischen Behörden sind auch gegen im Inland tätige Due-Diligence-Firmen vorgegangen. Internationale Quellen berichten, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Due-Diligence-Firmen festgenommen, verhört und mit einem Ausreiseverbot belegt wurden. Des Weiteren wird beschrieben, wie die chinesischen Behörden kürzlich das Büro einer lokalen Due-Diligence-Firma geschlossen haben und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter derzeit inhaftiert sind.
Denken Sie daran, dass Ihr chinesischer Lieferant oder Geschäftspartner für die Zusammenarbeit mit Ihnen bestraft werden kann. Sie müssen die Gültigkeit und Zuverlässigkeit der von Ihrem Lieferanten gelieferten Daten in Frage stellen und den Antworten in Ihren Compliance-Fragebögen skeptisch gegenüberstehen. China verfügt über restriktive Gesetze, die der Wirkung der US-Politik und -Gesetze entgegenwirken, die Sie zur Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen verpflichten, und als solche können gesetzliche Beschränkungen, einschließlich chinesischer Anti-Auslandssanktionsgesetze, dazu führen, dass es für Ihren Lieferanten strafbar ist, bei Ihren Due-Diligence-Prüfungen vollständig zu kooperieren.
Diese sich ständig verändernde Due-Diligence-Landschaft erschwert auch traditionelle Due-Diligence-Prüfungen, wie z. B. Geldwäsche, Sorgfaltspflichten, Untersuchungen zur Bekämpfung von Produktfälschungen, das Aufspüren von Vermögenswerten und Due-Diligence-Prüfungen bei Fusionen und Übernahmen. Ihre Due Diligence wird unter Umständen als Spionage ausgelegt.
Zwangsarbeit in Lieferketten
In jüngster Zeit sind Großbritannien, Australien, Kanada, Neuseeland und Deutschland dem Beispiel der USA gefolgt und haben Gesetze gegen Zwangsarbeit in der Lieferkette eingeführt. Der Kampf gegen Zwangsarbeit ist zu einer internationalen Priorität geworden, und Unternehmen versuchen zu beurteilen, ob ihre Waren ganz oder teilweise mit Zwangsarbeit hergestellt wurden. Der Global Slavery Index (GSI) 2023 schätzt, dass an einem beliebigen Tag im Jahr 2021 5,8 Millionen Menschen in China in moderner Sklaverei lebten. Diese Problematik wird im Lieferkettengesetz und in den Environmental, Social and Corporate Governance (ESG) Kriterien und Rahmenbedingungen aufgegriffen. Indikatoren für Zwangsarbeit werden auch durch die Berücksichtigung der International Labor Organization (ILO) zur Verfügung gestellt. Bei der Untersuchung des Risikos von Zwangsarbeit, der Einhaltung von Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance-Grundsätzen (ESG) und der Fälschung von Produkten befassen sich die OSINT Analysten eingehend mit den Lieferketten. Eine Lieferkette ist das Netzwerk aller Beteiligten, Ressourcen, Interaktionen und Aktivitäten, die am Lebenszyklus eines Produkts oder einer Dienstleistung beteiligt sind, von der Herstellung bis zur Lieferung.Workarounds für die Due Diligence Prüfung in China
Die gute Nachricht zuerst: Der größte Teil der Open-Source-Intelligence-Recherchen (OSINT) in China kann aktuell immer noch problemlos aus der Ferne durchgeführt werden. Bedeutet dies, dass Sie es sich leisten können, Ihre chinesischen Einrichtungen nicht vor Ort zu besuchen und zu überprüfen? Nein, Sie sollten immer eine Vor-Ort-Inspektion bei Ihren chinesischen Geschäftspartnerinnen und -partnern durchführen, wenn Sie die Möglichkeit dazu haben.Analystinnen und Analysten, die chinesische Unternehmensinformationen erhalten möchten, wenden sich in der Regel an verlässliche Primärquellen wie z. B. das National Enterprise Credit Information Publicity System (NECIPS) oder das chinesische Handelsministerium. Allerdings sind Datenbroker von Drittanbietern oftmals leichter zugänglich und stellen insbesondere für Analystinnen und Analysten, die über kein Virtual Private Network (VPN) verfügen, eine praktikable Lösung dar.
Wer jedoch auf geoblockierte Quellen zugreifen möchte, benötigt zwingend einen VPN-Anbieter, der eine chinesische IP-Adresse anbietet. Neben eines VPN-Dienstes mit chinesischer IP-Adresse ist eine chinesische Telefonnummer unerlässlich, wenn auf chinesische Datenquellen, die validiert werden müssen, zugegriffen werden soll. Abhängig vom Grad der Vertraulichkeit der Daten im Rahmen der Due Diligence sollte man aber auch hier Vorsicht walten lassen, denn mit der Beantragung einer SIM-Karte werden stets auch persönliche Identifikationsdaten abgefragt.
Ausblick in die Zukunft
Die Zukunft der Due Diligence in China bleibt unsicher. Es ist davon auszugehen, dass die Datentransparenz in der Volksrepublik weiter abnimmt, was die Notwendigkeit von soliden Due Diligence Prüfungen noch dringlicher macht - aber leider auch erschwert. Vertrauen wird auf Transparenz aufgebaut. Eine ausreichende und robuste Due Diligence bei Geschäften mit China bleibt von größter Bedeutung für das Risikomanagement. Wer weiterhin Geschäfte in China tätigen will, kommt leider nicht drum herum, noch mehr Anstrengungen zu unternehmen, um das eigene unternehmerische Risiko weitestgehend zu minimieren.Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel “China Due Diligence in Crisis” von Bruno Mortier, erschienen im CDR Magazine am 9. April 2024. In diesem Artikel werden außerdem zwei wichtige Beispiele aus den USA hervorgehoben, nämlich die Identifizierung von Unternehmen in Chinas militärisch-industriellem Komplex (军民融合) anhand von US-Beobachtungslisten und die Maßnahmen gegen Zwangsarbeit gemäß dem Uyghur Forced Labor Prevention Act (UFLPA).
Den vollständigen Artikel mit vielen weiteren spannenden Insights finden Sie in englischer Sprache hier.